Buchkritik: Christoph Kuckelkorn – Der Tod ist dein letzter großer Termin

Christoph Kuckelkorn ist wahrscheinlich der bekannteste Bestatter Kölns. Er hat die ganz großen Beerdigungen organisiert: Willy Millowitsch, Guido Westerwelle, Dirk Bach, Kardinal Meisner und andere haben mit ihm die letzte Ruhestätte gefunden. 

Dem Titel seines Buches merkt man an: Der Mann ist Bestatter, aber er hat Humor. Wieso «aber»? Naja, ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber gemeinhin verbindet man mit Bestattern eher traurige, ernste, vielleicht gar depressive Eigenschaften. Kuckelkorn belehrt uns eines Besseren. Das kommt nicht von ungefähr: Nebenher ist er auch Präsident des Festkomitees Kölner Karneval und war von 2005 bis 2017 Leiter des Kölner Rosenmontagszuges. Wie passt das zusammen? Er sagt selbst: «Beim Staatsbegräbnis beispielsweise steht ein zweiter Leichenwagen für die Fahrt zum Grab bereit. Falls der erste nicht anspringt. Beim Rosenmontagszug gibt es Ersatztraktoren, die bei Bedarf blitzschnell gegen defekte Zugmaschinen ausgetauscht werden können.» (Die Zeit, 4.2.2008) 

Kuckelkorn führt sein Familienunternehmen in fünfter Generation, sein Vorfahr Leo Josef Kuckelkorn gründete es 1864. Christoph Kuckelkorn hat als einer der ganz wenigen Bestetter in Deutschland auch eine Ausbildung als Thanatopraktiker: Er kann Verstorbene so herrichten, dass sie ihr natürliches Aussehen behalten oder wieder bekommen. Mit dieser Fähigkeit ist er in ganz Deutschland gefragt. 

Sein Buch zeigt in bewundernswerter Weise, wie Leben und Tod zusammenhängen, wie man auch das Sterben akzeptieren kann, ohne seinen Ernst zu verdrängen. Er berichtet von jungen Schülerinnen und Schülern, die in seinem Unternehmen ein Praktikum gemacht haben – allein das schon ungewöhnlich! Kinder gehen mit dem Tod seiner Meinung nach unbefangener um, gleichzeitig sind sie sehr neugierig. Da überraschte es nicht, dass ein kleiner Junge dann beim Betrachten eines leeren Sarges fragte: «Kann ich mich mal reinlegen?» So geschah es dann auch. 

Im Kapitel «Kennste den?» berichtet Kuckelkorn über Bestatterwitze. Zum Beispiel: «Der Opa liegt im Sterben. All seine Enkel stehen um sein Bett herum. Aus der Küche duftet es nach Kuchen. Der Großvater sagt: ‹Ich möchte so gern noch ein Stück Kuchen, bevor ich sterbe!› Einer der Enkel geht in die Küche und kommt gleich darauf zurück. ‹Mama hat gesagt, der ist für nach der Beerdigung›.» Scherze über den Tod bieten laut Kuckelkorn die Möglichkeit, dann auch ernsthafter über den Tod zu sprechen, was für viele Menschen schwer ist. 

Manches kann man in seinem Buch lernen. Wissen Sie zum Beispiel, woher der Begriff «Leichenbittermiene» kommt? Ich wusste es nicht und erfuhr dann: In der Vor-Internet-Zeit und in Gegenden ohne Zeitungen musste ja irgendjemand die Nachbarschaft über eine Beerdigung informieren, er musste also «zur Leiche bitten». Welche Miene er dabei machte, kann man sich vorstellen: Die Leichenbittermiene! 

Kuckelkorn legt auch sehr viel Wert auf das Gespräch mit den Angehörigen eines Verstorbenen. Ihm und seinen Mitarbeiter*innen geht es darum, einen individuellen Zugang zu den Trauernden zu finden, die sich nun gezwungen sehen, eine Beerdigung zu organisieren: «Ein Zahlenmensch erhält von mir so viele Auflistungen und Zahlen, wie er will, damit er sich richtig wohlfühlt. Wenn ich aber einem kreativen Menschen mit solchen Zahlenaufstellungen komme, dann ist das genau der falsche Weg. Dieser Person zeige ich noch nicht einmal Fotos von möglichen Arrangements, sondern ich zeichne mit ihm zusammen alles auf Papier auf, wie beispielsweise der Aufbau bei der Trauerfeier aussehen soll, wo der Sarg steht, an welcher Stelle die Leuchter aufgebaut werden usw.» 

Kuckelkorn zeigt deutlich, welche Haltung er selbst zum Leben und zum Tod hat. Ihm ist es wichtig, dass die Menschen eine Perspektive über den Tod hinaus sehen. Diese kann religiös geprägt sein, kann aber auch einfach mit der Idee verbunden sein, etwas für die Menschheit getan zu haben oder über seine Kinder weiter zu vererben. 

Dass die unterschiedlichen Begräbnisrituale der Religionen gelegentlich auch ganz skurrile Formen annehmen, zeigt er am Beispiel christlicher einerseits und jüdischer/muslimischer Beerdigungsprinzipien andererseits auf. Muslime und Juden werden in der Regel in ein Tuch eingeschlagen und ohne Sarg beerdigt. In Deutschland aber muss die Grabtiefe 1,60 bis 1,80 Meter betragen. Da müsste man den Leichnam über eine Leiter hinuntertragen und dann auch über die Leiter wieder nach oben steigen – nicht sehr würdevoll! In Israel sind die Gräber viel flacher, das geht das dann einfacher. Inzwischen kann man in Köln auch ohne Sarg begraben, allerdings machen das die städtischen Mitarbeiter nicht, man muss das selber organisieren – auch nicht so leicht! Juden dürfen inzwischen auch im Sarg beigesetzt werden, allerdings muss er sehr schlicht sein, ohne Nägel und ohne Farbe – also koscher. 

Kuckelkorns Buch ist sehr lesbar geschrieben, humorvoll aber nicht unernst – empfehlenswert! 

Christoph Kuckelkorn mit Melanie Köhne: Der Tod ist dein letzter Termin – Ein Bestatter erzählt vom Leben. Fischer Verlag 2020 

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