Die St. Maria Magdalena und Lazarus Kapelle
Gespräch mit Georg Dietlein und Karl Boos

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Sie ist eine der am besten erreichbaren Kapellen Kölns: Die KVB-Linien 1 und 7 halten vor der Haustür: Haltestelle Melaten. Aussteigen, über die Straße, durch das kleine Tor, nach 20 Metern steht man vor dem Eingang der Kapelle.

Seit zwei Jahren tut sich etwas mit dieser Kapelle: Georg Dietlein, Vorsitzender, und Karl Boss, sein Stellvertreter, engagieren sich im „St. Magdalenen Verein Köln e.V.“. Wir haben mit den beiden gesprochen.

Das Gespräch mit Georg Dietlein und Karl Boos

Wann hatten Sie den ersten Kontakt zur Kapelle?

Dietlein: Ich bin in Lindenthal ganz hier in der Nähe aufgewachsen. Ich bekam vor zwei Jahren einen Anruf; ein Freund sagte: Wir brauchen neue Mitstreiter im Förderverein. Das fand ich sehr spannend und wurde auch bald Vereinsvorsitzender. Die Situation der Kapelle war damals sehr unklar. Wir haben dann einen trilateralen Vertrag mit der Stadt und dem Erzbistum gemacht.

Welche Funktion hat der Verein in Bezug auf die Kapelle?

Dietlein: Der Verein ist nutzungsberechtigter Mieter. Die Stadt Köln ist Eigentümerin und wir dürfen sie nutzen.

Wie kam die Kapelle zu ihrem Namen?

Dietlein: Die Kapelle bekam diesen Namen – St. Maria Magdalena und Lazarus – vor 100 Jahren, als sie Pfarrkirche wurde. Es gab für die Neuansiedler in Lindenthal und Braunsfeld noch keine Kirche. Ursprünglich wurde die Kapelle geweiht auf den Namen Dionysius (das war ein christlicher Missionar und Märtyrer in Gallien im 3. Jahrhundert). Die Namen Maria Magdalena (die Zeugin der Auferstehung) und Lazarus (der von Jesus zum Leben Wiedererweckte) passen zum Friedhof. Es gibt im Übrigen in Köln und in Deutschland keine weitere Kirche mit diesem Namen, vielleicht sogar weltweit.

Was war Ihr Motiv, sich für die Kapelle zu engagieren?

Dietlein: Karl Boos und ich sind dazu gekommen, weil wir gehört hatten, dass die Kapelle Hilfe braucht. Als wir die Kapelle zum ersten Mal betreten haben, wussten wir sofort: Das ist unser Projekt.

Boos: Es spielte natürlich auch eine Rolle, dass das ein historisches Gelände ist, mit den damals noch existierenden Gebäuden für die Leprakranken gebaut. 1245 wurde die Kapelle fertiggestellt, sie stand dann sowohl den Leprakranken als auch, abgetrennt durch eine Wand wegen der Ansteckungsgefahr, den Gesunden zur Verfügung. Wir wollten diese Erinnerung, symbolisiert durch die Kapelle, nicht verkommen lassen.

Die Kapelle ist ja jetzt durch Ihre Initiative renoviert worden, wie kam es dazu?

Dietlein: Es ist wirklich eine reine Gnade! Wir haben eher zufällig mit der Kölner Stuckateur-Innung Kontakt bekommen, haben mit der Stadt gesprochen und bald ging es los. Für die Besucher der Kapelle sind wir Seelsorger, für die Stadt Köln eher Hausmeister! Wir nehmen das gerne an. Nach außen sind wir Herren der Kapelle, aber auch Diener, Diener der Freude anderer Menschen. Wir haben die Arbeiten in der Kapelle begleitet, jeden Tag Pizza und Kaffee gebracht!

Boos: Bei der Renovierung haben junge Leute im zweiten Lehrjahr gearbeitet, die sich bewusst waren: Hier arbeite ich nicht in einem beliebigen Gebäude, sondern in einer Kapelle, hier muss ich mich entsprechend verhalten! Ich habe nie einen von den jungen Leuten gesehen, egal wie sie zur Kirche stehen, der auf die Idee gekommen wäre, in der Kapelle eine Zigarette anzumachen! Den jungen Leuten ist bei der Arbeit sicherlich bewusst geworden, dass Kirche immer noch etwas Besonderes ist und man sich entsprechend verhalten sollte. Für die Innung war das auch eine große Herausforderung, der sie sich gerne gestellt hat: Es ist nämlich alles hier denkmalgeschützt, man musst also sehr sorgfältig arbeiten!

Ein Blick in die renovierte Kapelle

Wie sehen Sie die Zukunft Ihrer Arbeit mit dieser Kapelle?

Dietlein: Gott, Tod und Trauer, Kunst. Natürlich ist die Kapelle weiterhin ein geweihter Ort, Gottesdienste, Messen – das ist das Zentrale. Dies ist die einzige geweihte katholische Kirche in Köln, die auf einem Friedhof liegt. Da dies aber keine Pfarrkirche ist, gibt es nicht so häufig Messen. Deshalb sind wir auch offen für Menschen, die sagen: Wir möchten hier etwas zur Kapelle oder dem Friedhof Passendes ausstellen; der christliche Bezug sollte schon in irgendeiner Weise gegeben sein, wir sind ja keine Galerie. Sehr angemessen war ja z.B. die Veranstaltung des Fördervereins Melaten, Lesung und Musik der Toten, die hier begraben sind.

Boos: Wir sind guter Hoffnung, dass hier noch viele gute Veranstaltungen stattfinden werden. Aber: Eine Modenschau, wie sind in einer Innenstadtkirche stattfand, wir es in der Kapelle nie geben! Daran kann man sehen: Wir sind manchmal klüger als das Bodenpersonal…

Das Gespräch mit Georg Dietlein und Karl Boos führte Bernd Woidtke.

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