Ein Morgen im Amt

Die Stadtverwaltung legt wert auf Bürgerbeteiligung. So fand im vergangenen Jahr eine umfangreiche onlinegestützte Aktion zu den Kölner Friedhöfen statt, die in ein „Zukunftskonzept ‚Kulturraum Kölner Friedhöfe‘“ mündete. Wir vom Melaten-Förderverein nahmen diese Initiative zum Anlass, ein Gespräch mit dem Grünflächenamt zu suchen.

Das kleine Toilettenhäuschen neben der Friedhofsverwaltung

Ein Thema, das vielen Melaten-Besuchern unter den Nägeln brennt, ist die Auffindbarkeit von Gräbern. Die alten Flursteine sind zum Teil umgefallen, überwachsen oder unlesbar. Herr Figgen berichtete von der Idee, die Gräber mit Geo-Koordinaten zu verbinden, so dass sie mit dem Smartphone zu finden sind. Er geht davon aus, dass innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre Ergebnisse zu sehen sein werden. Die Süddeutsche Zeitung berichtete am 17.12.2019 über bereits weit fortgeschrittene Digitalisierungsprojekte in Tel Aviv und Jerusalem. Eine Beschilderung mit Hinweis auf „Prominente“, von denen es ja auf Melaten eine ganze Reihe gibt, sieht Herr Figgen als problematisch an: Wer ist prominent, wer nicht, wer könnte sich zurückgesetzt fühlen?

Der Kunsthistoriker und frühere Melaten-Denkmalpfleger Dr. Johannes R. Beines hatte vor Jahren die Idee der Grab-Patenschaft. Manchen regelmäßigen Melaten-Besucher*innen war nicht klar, welche Regeln für solche Patenschaften gelten. Figgen: Was genau von einem historischen Grab erhalten bleiben und vom neuen Besitzer restauriert werden soll, wird in Übereinkunft mit der Denkmalpflege im Einzelfall entschieden. Auch die Frage, ob der Name des vormals hier Bestatteten erhalten bleiben soll, kann nicht generell, sondern nur von Fall zu Fall festgelegt werden.

Nicht unumstritten ist in der Bevölkerung die Problematik der Abräumung von Gräbern, deren Nutzungsdauer abgelaufen ist. Die Gräber von „Verdienstvollen Bürgern“ und Ehrenbürgern (wer die Ehre dieser Bezeichnung tragen darf, entscheidet der Hauptausschuss des Stadtrates) bleiben grundsätzlich erhalten. Wir vom Melaten-Förderverein schlagen vor, dass auch denkmalpflegerische Gesichtspunkte verstärkt eine Rolle spielen sollten, was von Herrn Figgen durchaus unterstützt wird. Grundsätzlich gibt Herr Figgen zu bedenken, dass ein allgemeiner Abräum-Stopp schwer zu vermitteln wäre: Grabbesitzer*innen, die gerade eine Verlängerung der Nutzungsdauer (incl. Bezahlung der ja nicht gerade geringen Gebühr) vereinbart haben, wären ja dann deutlich benachteiligt. Im Übrigen wird zukünftig der Flächenbedarf der Friedhöfe wieder steigen, wenn sich die umgekehrte Bevölkerungspyramide auswirkt.

Die Toilettensituation auf vielen der 55 Kölner Friedhöfe wird mitunter als prekär empfunden, sowohl hinsichtlich der Anzahl als auch der Modernität und der Barrierefreiheit. Herr Figgen räumt ein, dass es hier einen kostenbedingten Investitionsstau gibt, die Stadt aber die Bedeutung des Problems kennt und Lösungen in die Wege geleitet hat.

Die Alte Trauerhalle an der Millionenallee

In der Alten Trauerhalle an der Millionenallee (in der im Jubiläumsjahr 2010 für lange Monate eine vom „Freundeskreis Melaten“ kuratierte und finanzierte Ausstellung zur Geschichte des Friedhofes zu sehen war), die ja zeitweise auch als Café im Gespräch war, wird zukünftig ein Kolumbarium eingerichtet werden. Dort sollen oberirdisch Urnen in Nischen eingebracht werden. Ursprünglich hatte man die Idee, private Firmen mit der Durchführung dieses Projektes zu betrauen, was aber aus rechtlichen Gründen nicht realisierbar ist. Nun wird sich die Stadt Köln selbst darum kümmern; ein Pilotprojekt auf dem Friedhof in Rodenkirchen-Weiß ist in der Planung, Melaten wird folgen.

Angesprochen auf ökologische Fragen im Hinblick auf Friedhöfe zeigte uns Herr Figgen die Ergebnisse einer Untersuchung der Fledermauspopulation auf dem Melaten- und dem Südfriedhof. Mit Hilfe von hochempfindlichen Sensoren konnte man den Aufenthaltsort von Fledermäusen feststellen. Ergebnis: Eine große Zahl unterschiedlichster Fledermausarten hat ihr Domizil auf den Friedhöfen und zwar immer dort, wo sich strukturstarke Räume ergeben, auf niedrig gemähten Wiesen findet man sie nicht. Die Friedhofsverwaltung wird die künftige naturnahe Gestaltung der Friedhöfe entsprechend anzupassen versuchen.

Herr Figgen merkt an, dass die öffentliche Kommunikation hinsichtlich der städtischen Friedhöfe optimierbar ist. Das zeigte sich auch an der aufbrandenden Diskussion über die „Abholzungsaktion“ im vergangenen Jahr, die ja auch von Prof. Schock-Werner und Jürgen Domian medial befeuert wurde. Man ist sich darüber im Klaren, dass man bei ähnlichen Aktionen, deren Richtigkeit ja kaum jemand bezweifelt, in Zukunft im Vorfeld informieren will, um mehr Transparenz zu schaffen. In dem Zusammenhang will er überprüfen, ob man die Website des Fördervereins www.melatenfriedhof.de mit der entsprechenden städtischen Seite verlinken will.

Das oben genannte „Zukunftskonzept“ sieht auch vor, „friedhofsaffine“ Veranstaltungen auf Melaten zu ermöglichen und von städtischer Seite aus zu unterstützen. Auch die Neue Trauerhalle an der Piusstraße steht dafür zur Verfügung. Der Förderverein wird dieses Angebot dankbar aufgreifen. Ebenso ist ein „Themenabend Melaten“ als Idee entstanden, bei dem Experten und städtische Sachverständige mit interessierten Bürger*innen ins Gespräch kommen.

Man sieht: Ein Morgen im Amt kann zu guten Ergebnissen führen! Wir danken Herrn Figgen für seine Aufgeschlossenheit in diesem informativen Gespräch!

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