Jón Svensson, genannt Nonni – Grabstätte der Kölner Jesuiten auf Melaten

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Friederika Priemer ist eine große Anhängerin des isländischen Schriftstellers. Sie ist die Präsidentin des www.home.funcity.de/Nonni-Fanclub-Deutschland und Mitglied der Deutsch-Isländischen Gesellschaft e.V. Köln Hier schreibt sie eine eindrucksvolle Geschichte über ihn.

Als ich vor 13 Jahren mit Hilfe von Frau Dr. Susanne Franke, Mitgründerin des „Freundeskreis Melaten“ (heute „Förderverein Melaten e.V.“), das Grab meines verehrten isländischen Schriftstellers Jón Svensson – genannt Nonni – fand, machte es einen traurigen Eindruck auf mich. Wie sollten Nonni-Freunde sein Grab auch finden und Blumen oder Kerzen vorbeibringen – es gab ja keinerlei Hinweise, weder auf dem Lageplan am Haupteingang an der Piusstraße noch sonst wo. Dass ich trotzdem einen Blumengruß mit einer isländischen Widmung vorfand, empfand ich als kleines Wunder.

Einige Zeit später erfuhr ich aus der Kirchenzeitung, dass der bekannte Stadt- und Friedhofsführer Günter Leitner, AntoniterCityTours, drei umherirrende Friedhofsbesucher aus Island zu Nonnis Grab geführt hatte, als diese beinahe die Suche aufgegeben hatten. – Dass so etwas in Zukunft nicht mehr passieren kann, dafür will der Förderverein Melaten e.V. sorgen und mit der Friedhofsverwaltung einen Lageplan für die Gräber von Prominenten entwerfen.

Vielleicht fragen Sie sich bzw. mich, warum ich denn erst im Jahr 2006 nach Nonnis Grab fahndete. Einfache Antwort: Ich kannte Jón Svensson – Nonni – bis dahin nicht. Obwohl Leser*Innen meines Alters im letzten Jahrhundert die „Nonni-Bücher“ quasi verschlungen haben – mir war er unbekannt. Dass ich dann in 2006 durch wirklich sehr seltsame Umstände auf ihn aufmerksam wurde, mein erstes Nonni-Buch verschlang wie Generationen vor mir und erst dann erfuhr, dass er auf Melaten beerdigt liegt, ist eine Geschichte für sich und für mich kein Zufall, sondern Fügung! Denn das geschah EIN Jahr vor seinem 150. Geburtstag, der m.E. unbedingt gefeiert werden musste! Aber wie?

Da wurde mir die Idee eingegeben, nach kulturellen Kontakten zwischen Deutschland und Island zu forschen. Und siehe da: ich fand in Köln die Deutsch-Isländische Gesellschaft e.V. (DIG), in die ich sofort eintrat und dabei gleich verschiedene Vorschläge machte, was anlässlich Nonnis 150. Geburtstags zu veranlassen sei. Unter anderem plädierte ich für eine Plakette oder Tafel an der „Grabstätte der Kölner Jesuiten“ mit den Daten des berühmten Isländers. Also bat mich die DIG, doch mal bei einem Steinmetz Rat einzuholen, in welcher Weise am Grab auf Nonni hingewiesen werden könne. Gesagt, getan: ich ging zum erstbesten Steinmetz an der Piusstraße und schilderte ihm mein Anliegen. Jetzt passierte etwas Unglaubliches: die Augen des Steinmetzes begannen zu leuchten, als ich den Namen „Nonni“ erwähnte, und er fragte ungläubig: „Sie wollen doch nicht etwa sagen, dass Nonni auf Melaten beerdigt liegt??“ Als ich das bejahte, meinte er: „Und ich habe seit vielen Jahren meine Werkstatt hier und weiß das nicht! Bringen Sie mich bitte sofort an sein Grab!“

Obwohl die Werkstatt nicht weit entfernt war, stiegen wir in sein Auto und standen nach einigen Minuten an Nonnis letzter Ruhestätte. Wir waren beide sehr ergriffen… Und während ich das schreibe oder erzähle (und das tue ich oft und sehr gerne!), bekomme ich auch nach Jahr und Tag immer noch eine Gänsehaut…

Der Steinmetz machte also einige Vorschläge, wie an Jón Svensson erinnert werden könnte. Mit diesen Anregungen fuhr ich am nächsten Tag zum Friedhofsamt im Stadthaus, nachdem ich vorher einen Gesprächstermin vereinbart hatte. Ich erklärte der jungen Mitarbeiterin mein Anliegen und verließ das Amt in der Gewissheit, dass die DIG dem Steinmetz nun einen Auftrag erteilen kann. Um aber auf Nummer sicher zu gehen, schickte ich eine Zusammenfassung unseres Gesprächs per E-Mail ans Friedhofsamt – dessen Antwort war niederschmetternd: am Grab dürften keinerlei Veränderungen vorgenommen werden, es sei denn, die DIG übernähme die große Grablege als Patenschaftsgrab. Da dort 34 Jesuiten bestattet liegen (3 Fratres = Scholastiker, 6 „Brüder“ und 25 Patres – der letzte starb am 8.1.1964:), aber nur EIN Isländer, kam eine Übernahme für die DIG natürlich nicht in Frage. Ich war am Boden zerstört. Geknickt ging ich zu „meinem“ Steinmetz zurück und schilderte ihm die traurige Sachlage. Aber er wusste einen Ausweg. „Frau Priemer“, sagte er, „ich habe als Junge so wundervolle Stunden mit den Nonni- Büchern verbracht – dafür möchte ich mich jetzt bedanken! Ich werde Nonni zum 150. Geburtstag einen Stein schenken!“ Am liebsten wäre ich dem Steinmetz um den Hals gefallen! Natürlich habe ich mich später mit einigen Nonni-Büchern revanchiert, und auch die DIG hat bei der Geburtstagsfeier am Grab das edle Geschenk und seinen großzügigen Spender entsprechend gewürdigt. Inzwischen hat der Steinmetz Nonni bestimmt längst im Himmel getroffen – auf Erden danke ich ihm mit Kerzen auf seinem Grab – auf Melaten…

Zum „Nonni-Stein“ hat sich dann einige Jahre später ein weiteres, sehr willkommenes „Utensil“ gesellt, nämlich die „Nonni-Bank“, die nicht bankrott gehen kann (wie weiland die Banken in Island!): zum Verweilen oder auch zum Schmökern von Nonni- Büchern. Ich hatte von Anfang an eine Bank am Grab vermisst, verfügte aber nicht über die Mittel, um eine solche aus eigener Tasche zu finanzieren, und Betteln fiel/fällt mir schwer. Aber eines Tages nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und schrieb an den Seniorchef des Verlags Herder in Freiburg. Da ich wusste, dass Hermann Herder meine Begeisterung für Jón Svensson teilte, hoffte ich auf seine Spende. Er übernahm tatsächlich etwa ein Drittel der Kaufsumme, den „Rest“ sollte ich von anderen Nonni-Fans erbitten. Und es dauerte wirklich nicht lange, da konnte ich der „Kölner Grün- Stiftung“, die für die Verschönerung von Friedhöfen und Parkanlagen sorgt, die Gesamtsumme überweisen. Auf der Plakette werden natürlich die Sponsoren genannt.

Und wie es der „Zufall“ will (dabei gibt es m.E. gar keine Zufälle!), ergab sich am Totensonntag, 24.

November 2019, auf dieser Bank ein angeregtes Gespräch mit einer Nonni-Freundin und deren Angehörigen. Es blieben/bleiben überhaupt immer wieder Friedhofsbesucher an Nonnis Grab stehen – vermutlich angelockt von den bunten laminierten Info-Blättern, die ich nicht ohne Hintergedanken mit Holzstäbchen am Grab befestige und die die Vorübergehenden neugierig machen (sollen). Dass dies gelingt, wurde mir schon mehrfach bestätigt. Und wenn ich gerade am Grab bin, um nach dem Rechten zu sehen, komme ich häufig mit Besuchern ins Gespräch: manche kennen seine Bücher aus ihrer Kindheit, den meisten ist er leider (aber nicht mehr lange!) unbekannt. Deshalb lege ich ja die Informationen aufs Grab, die oft fotografiert, zumindest aber gelesen werden. Damit habe ich mein Ziel erreicht, nämlich den charismatischen Schriftsteller Jón Svensson – genannt Nonni – (wieder) bekannt zu machen.

Das Grab wird übrigens von der Stadt Köln gepflegt, d.h. ein Friedhofsgärtner trimmt im Auftrag der Stadt die Büsche und den Bodendecker und kümmert sich insgesamt um ein gepflegtes Aussehen der Grablege (Kerzen und Blumen natürlich nicht inbegriffen, dafür sind die Nonni-Freunde zuständig). Der Grund für diesen „Service“ der Stadt liegt darin, dass Jón Svensson in den Büchern der Friedhofsverwaltung als „verdienstvoller Bürger der Stadt“ eingetragen ist. Diese ehrenvolle Bezeichnung führte auch dazu, dass die Oberbürgermeisterin Frau Henriette Reker vor kurzem einen wunderschönen Kranz an Nonnis Grab liefern ließ – aus Anlass des 75. Todestages von Jón Svensson am 16. Oktober 2019.

Nonni-Statue des Steinmetzes Frank Heber

Ein weiterer Kranz – in den isländischen Farben blau-weiß-rot – wurde von der Deutsch-Isländischen Gesellschaft e.V. Köln gestiftet. Sie veranstaltet an solchen Gedenktagen regelmäßig eine Feierstunde am Grab von Jón Svensson. Zum 160. Geburtstag vor zwei Jahren waren ca. 70 Nonni-Verehrer erschienen. Veranstaltet wurde die Feier damals zum ersten Mal zusammen mit dem Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken in Paderborn, das sich hauptsächlich um katholische Christen in Nordeuropa, also auch in Island, kümmert.

Die Liste der VIPs konnte sich sehen lassen! U.a. waren erschienen Msgr. Georg Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerks; der katholische Bischof von Reykjavík, David B. Tencer; der isländische Botschafter Martin Eyjolfsson aus Berlin; der Stadtteil-Bürgermeister Hans-Werner Bartsch; Domkapitular Günter Assenmacher; Pfr. i. R. Peter Danisch aus Magdeburg; sowie der DIG-Vorsitzende Dr. Sverrir Schopka und der DIG- Präsident Prof. Dr. Gert Kreutzer.

Mitte: Friederika Priemer

Nach einem bezaubernden isländischen Musikstück gespielt auf der Klarinette von einem Mitglied des „Ensemble Rossi“, und nach mehreren Ansprachen begab man sich nach Ehrenfeld ins Restaurant „Haus Tutt“, wo das Bonifatiuswerk zum Imbiss eingeladen hatte. Den Abschluss des Gedenktages bildete die Gedenkmesse in der Kapelle des St. Franziskus-Hospitals, wo Jón Svensson vor 75 Jahren, am 16. Oktober 1944, starb. 2019 hatten wir zum ersten Mal die Chance, den Gedenkgottesdienst für Jón Svensson in der wunderschön renovierten Magdalenen-Kapelle auf dem Melatenfriedhof zu feiern, wo zu Ehren Nonnis seit dem 14. September 2019 die Gemeinschaftsausstellung „Nonni. Ein Isländer am Rhein“ zu sehen war. Aufmerksame Leser werden sich an die entsprechende Ankündigung im Melaten-Newsletter Nr. 5 erinnern. Auf das Programm für den 75. Todestag brauche ich daher hier nicht noch einmal näher einzugehen – es lässt sich ja im letzten Newsletter nachlesen. Die Andacht leitete P. Heribert Graab SJ von der Jesuitenkirche St. Peter. Er hatte sehr passende moderne Lieder ausgesucht und die Texte samt Noten zum Mitsingen mitgebracht. Auch seine Predigt über seinen Mitbruder „Nonni“ war sehr ansprechend und kann auf seiner Homepage nachgelesen werden. Nach P. Graab kam noch ein Theologe, Priester und Autor zu Wort, nämlich Prof. em. Dr. Ottmar Fuchs, Universität Tübingen/Lichtenfels. Seine Ansprache basierte auf seinem im September 2019 erschienenen Buch „Im Schatten der Verdammnis“ – eine Nonni-Biografie aus einer sehr persönlichen Perspektive. Auch diese Rede ist im Internet zu finden – Stichwort „Der lange Weg zur Religionsfreiheit“.

Dass die Gedenkandacht keine Trauerfeier wurde, dafür sorgte auch ein 12-jähriger Junge aus Hamburg, der tatsächlich ebenfalls „Nonni“ heißt – und zwar ganz offiziell! Wer die immer noch sehr beliebte ZDF-Weihnachtsserie von 1988 „Nonni und Manni. Die Jungen von der Feuerinsel“ kennt, weiß, weshalb das Publikum in der Magdalenen-Kapelle „hörbar“ schmunzelte, als ich den Anwesenden erzählte, dass der kleine Nonni mit Mutter und Großmutter (!!) angereist war, um seinem großen „Namenspatron“ die Ehre zu erweisen. Dass er schon als Dreijähriger ein Islandpferd besaß, mit dem er später sogar manchmal zur Schule ritt, quittierten die zahlreichen Nonni-Freunde ebenfalls mit großem Applaus!

Wie wäre es, wenn Sie sich diesen spannenden Familienfilm mit wunderschönen Landschaftsaufnahmen von Nonnis Heimat Island (noch) einmal ansehen? Oder als Weihnachtsgeschenk unter den Christbaum legen? Online ist die DVD immer noch zu haben – auch als 3-disc Special Edition. Allerdings halte ich die Serie erst für Kinder ab ca. 9 Jahren geeignet, nach oben gibt es keine Grenzen!

Gedenkgottesdienst in der Magdalenen-Kapelle

Um doch noch einmal auf die oben erwähnte Ausstellung zurückzukommen: Nonni, der Isländer am Rhein, zog viele interessierte Besucher an. Und nicht wenige Kölner gestanden uns im Gespräch, dass sie das „Nonni-Viertel“ bisher nicht kannten. Falls auch Sie zu den „Ahnungslosen“ gehören , verrate ich Ihnen gerne, was ich mit diesem Begriff meine: es gibt in Ehrenfeld/Bickendorf so viele „Nonni-Denkmäler“ wie sonst nur noch in seiner Heimatstadt Akureyri in Nordisland. Und zwar den „Nonniweg“, den „Nonnibrunnen“ und die „Offene Tür Nonni“ – zwischen dem Maarweg und der Helmholtzstraße gelegen – Ins Leben gerufen wurden sie auf Initiative des Nonni-Verehrers, Pastor Hermann-Josef Hieronymi (1912–1996), der vielen Gemeindemitgliedern von St. Bartholomäus noch in guter Erinnerung ist. St. Bartholomäus ist übrigens inzwischen in eine sehr interessante und sehenswerte Grabeskirche (Kolumbarium) umgewandelt worden.

Wenn ich durch meine Collagen und sonstigen Exponate dazu beitragen konnte, Nonni gerade in Köln (wieder) bekannt zu machen, dann hat sich die Ausstellung gelohnt. Denn dort gab es natürlich u.a. auch „Nonni-Bücher“ zu bestaunen – auch sehr alte! – und wer wollte, konnte sich kostenlos ein Buch (und weitere Informationen über Jón Svensson) mitnehmen. Die Nonni-Bücher werden zwar leider nicht mehr aufgelegt, im Internet sind sie als Secondhand-Exemplare aber alle noch zu haben. Erfreulicherweise werden die Abenteuergeschichten inzwischen auch als eBooks angeboten, und die 8 Hörbücher – Tendenz steigend – sind eine gute Alternative für Lesemuffel. Und ebenfalls ein hübsches (Weihnachts-)Geschenk.

Besonderes Interesse galt natürlich der Nonni-Statue, die der Steinmetz Frank Heber eigens für die Ausstellung schuf (siehe Foto S. 6). Wo sie einmal endgültig aufgestellt wird, steht noch nicht fest. Ich meine, sie würde sehr gut ins „Nonni-Viertel“ passen…

Grabstätte: HWG/NS-Achse, Ecke zwischen Flur 19 (D) und 20 (E)

Quellen

BESCHREIBUNG QUELLE
Gruppenbild Friederika Priemer

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