chönheit, Vielfalt, Leben und Tod


Melaten ist, wie die anderen großen Friedhöfe in Deutschland, auf eine besondere Weise nicht nur ein Ort des Todes, sondern einer des prallen Lebens - und das macht seine Faszination aus. Mit Leben und Lebendigkeit sind nicht nur die Besucher gemeint, die hier spazieren gehen, sich umsehen, frische Luft und Ruhe genießen, die Erinnerung an ihre Verstorbenen wach halten, oder auch die Gräber ihnen Unbekannter besuchen und pflegen.

 

Auf Melaten lebt Kunstgeschichte. Nicht wie in einem Museum, sondern offen, für jeden zugänglich und im originalen Kontext. Wir können klassizistische Grabmäler mit Motiven aus der griechischen und römischen Kunst betrachten. Mit der Fortsetzung der Arbeiten am Dom wurde die Neogotik zu einer Mode in Kunst und Architektur. Die Neorenaissance und der Neubarock hielten ebenfalls Einzug auf Melaten und sind, wie die anderen Stilrichtungen, in Grabstätten, Motiven, Skulpturen und Symbolen lebendig. Und - anders als in manchen Museen - ist hier auch ein teilweise wilder Stilpluralismus zu finden.

Auf Melaten lebt vor allem Sozialgeschichte, denn hier wurden mehrere Jahrzehnte alle bestattet, die Armen und die Reichen. Die soziale Hierarchie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts spiegelt sich noch heute in der Friedhofsanlage. An den Hauptwegen, den "Millionenalleen", wurde repräsentiert. Die oben skizzierte Vielfalt und Pracht galt dem Ausdruck und der Präsenz der Großen und Reichen. In den immer wieder neu belegten Reihengräbern sind viele Namen und viel Geschichte verloren gegangen. Wir sehen noch heute einfache gußeiserne Kreuze und Steine; darunter auch viele Grabmäler aus der zunehmenden Massenproduktion. Und es zeigt sich, daß Armut auch hier kaum Spuren hinterläßt: Die Armengräber wurden einst nach fünfzehn Jahren neu belegt.

Auf Melaten lebt ganz private Familiengeschichte neben den vielen Prominenten wie Nicolaus August Otto (1832 - 1891), der 1876 den Viertakt-Motor vorstellte; der einst berühmte, von den Nazis ermordete Radrennfahrer Albert Richter (1912 - 1940); der aus dem Ruhrgebiet stammende Karnevalist Horst Muys (1925 - 1970); Schauspieler wie René Deltgen (1891 - 1974) und Willy Birgel (1909 - 1979); Ferdinand Franz Wallraf (1748 - 1824), der sich sehr für Melaten engagierte und seine seine reiche Kunstsammlung der Stadt Köln schenkte und Johann Heinrich Richartz (1795 - 1861), Museumsgründer; Maria Clementine Martin, die berühmte Klosterfrau mit dem Melissengeist (1775-1843), oder die Familie Farina mit dem Schöpfer des "Eau de Cologne"...

 

Auf Melaten lebt, mit der Familien- und Individualgeschichte verwoben, Stadt- und auch Kriegsgeschichte. Ein Beispiel sind die Denkmäler: als Erinnerung an die im napoleonischen Heer gefallenen Kölner, an den Sieg der Preußen über Österreich, an die Opfer einer Gasexplosion im Jahr 1851 oder an die gefallenen Franzosen des Krieges 1870/1871. Und der Entstehungsanlaß des Melatenfriedhofes war die französische Besatzung von Köln ab 1794...

Nicht zuletzt lebt hier die Natur in einer Vielfalt, wie sie mitten in einer Großstadt fast nur in dem Refugium Friedhof zu finden ist. Melaten ist ein Landschaftsschutzgebiet. Viele Pflanzenarten, stattliche alte Bäume, über vierzig Vogel- und unzählige Insektenarten, Katzen, Eichhörnchen, Fledermäuse leben hier - alle in friedlicher Koexistenz mit den Lebenden und den Toten. Und so war Melaten auch geplant: als Grünanlage, Ort der Ruhe und Besinnung.

Die Patenschaften...